Elternbrief der Schulleitung

von Michael Schmitz (Kommentare: 0)

Liebe Eltern,

nach einer Woche Schulschließung und den damit für uns alle verbundenen Schwierigkeiten sowohl im beruflichen wie auch im privaten Alltag möchte ich mich noch einmal aus dem PSG an Sie wenden.

Genauso wie Sie sind alle Mitarbeitenden und Lehrer*innen unserer Schule mit Hochdruck, wirklich mit Hochdruck, bemüht, die außergewöhnliche Lage der Schulschließung, die für alle ungewohnte Tele-Arbeit und die Corona-Bedrohung, ob real oder nur gefühlt, zu meistern. Dass dies nicht einfach ist, muss ich Ihnen, die Sie selbst Ihr "neues Leben" erst einmal organisieren und auch emotional bewältigen müssen, nicht erklären. Und die Grenzen der Digitalisierung, die wir beim temporären Zusammenbruch sämtlicher Kommunikationssysteme in dieser Woche erfahren durften, haben uns schnell klargemacht, dass wir auf Dauer nicht auf Begegnung und analoge Strukturen verzichten können – und wollen natürlich!

Viele Kolleg*innen sind noch mit den mündlichen Abiturprüfungen beschäftigt, die unter besonderen Hygienebedingungen am kommenden Dienstag und Mittwoch stattfinden sollen. Wir tun unser Möglichstes, um den uns teuren Abiturient*innen eine faire, unaufgeregte und - trotz physischer Distanz - menschlich zugewandte Prüfung zu gewährleisten, in der sie ihr Potential abrufen und gute Ergebnisse erzielen können. Natürlich kann man die Prüfungssituation nicht als "normal" bezeichnen, aber wir werden in dieser besonderen Situation mehr denn je auf einen ordnungsgemäßen Ablauf achten. Diese für alle mittlerweile sehr belastende Situation soll den Prüflingen nicht zum Nachteil gereichen. Bitte haben Sie, liebe Eltern der Abiturient*innen, Vertrauen in uns und helfen Sie mit, Ihre Kinder zu beruhigen und ihnen Zuversicht zu vermitteln!

Wir hören aus gesicherten Quellen, dass trotz der Verbote und Appelle der letzten Tage Abiturient*innen nach bestandenem Abitur im Privaten in größeren Gruppen feiern, teils zusammen mit ihren Eltern. Bitte seien Sie so verantwortungsbewusst und verzichten auf Feiern dieser Art und überzeugen Sie auch Ihre Kinder davon, dass dieses Verhalten unsolidarisch ist und zu weiteren Restriktionen (Ausgangssperre?) führen wird. Das Wochenende wird zeigen, ob wir eine Solidargemeinschaft sind oder nicht. Abiturfeiern lassen sich nachholen, Erkrankungen oder gar Todesfälle infolge der Fortsetzung der Infektionskette, die alle Feiernden zurzeit billigend in Kauf nehmen, führen dagegen zu nachhaltigem Schmerz und Leid.

Unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel hat vorgestern dazu eine bemerkenswerte Rede gehalten. Falls Sie oder Ihre Kinder diese nicht haben hören können: Hier können Sie sich die Fernsehansprache auf Youtube noch einmal ansehen.

Was die Beschulung der Schüler*innen von Stufe 5 bis 12 angeht: Auch hier arbeiten die Kolleg*innen mit viel Engagement, Akribie und Nachdruck, außerdem mit Kreativität (Sehen Sie sich den Mathematikunterricht Herrn Schäfers im Youtube-Kanal an!) daran, Ihre Kinder aus der Ferne mit Aufgaben zu versorgen und zu unterrichten. Haben Sie Verständnis dafür, dass nicht alles sofort ab Tag 1 der Schulschließung funktioniert, dass manches noch etwas unkoordiniert erscheint. Wir sind auf einem guten Wege, dies zeitnah hinzubekommen! Die Rückmeldungen aus Ihrem Kreise sind über die Jahrgangsstufen hinweg sehr unterschiedlich: Die einen fragten teils recht ungeduldig schon am Montag nach geschnürten Aufgabenpaketen, die anderen melden mir zurück, dass ihre Kinder mit der Selbstorganisation überfordert seien und kleinschrittigere Anleitungen und mehr Führung durch uns Lehrer*innen bräuchten. Das ist für uns nicht neu, mit dieser Heterogenität haben wir im Unterricht täglich zu tun; neu ist dagegen, dies aus der Distanz und auf digitalem Weg zu verrichten. Wir haben uns nun, nachdem wir Ihre Kinder zunächst vor allem über Email kontaktiert hatten, dazu entschlossen, ab kommender Woche die Lernplattform Lo-net zu verwenden. Ca. die Hälfte unserer Schülerschaft nutzt diese bereits und wir wollen, dass alle Schüler*innen, von Stufe 5 aufwärts, von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Eine Anleitung zum Installieren und zur Anmeldung auf dieser Plattform wurde Ihnen bereits übermittelt. Die Plattform wurde in dieser Woche mit allen Lehrer- und Schülerdaten aktualisiert und der Anbieter, selbst überrascht von der gehäuften Nutzung, hat die technischen Kapazitäten erweitert, sodass es nicht mehr zu Anmeldeproblemen und Verzögerungen kommen sollte. Wenn doch, dann melden Sie sich bitte bei unseren Kollegen Herrn Suermann und Herrn Fey oder bei unserer Technischen Assistentin Frau Bickelmann.

Jetzt geht es vor allem darum, Ihre Kinder sinn- und maßvoll mit Lernangeboten zu versorgen, damit sie eine Aufgabe haben und etwas Normalität verspüren in diesen Zeiten, wo plötzlich das ganze Leben auf den Kopf gestellt wird. Dass Sie es, liebe Eltern, daheim auch nicht einfach haben, Frustrationen und fehlende Motivation aufzufangen haben, ist mir bewusst. Aber auch hier bin ich zuversichtlich, dass Sie nach diesen schwierigen Anfängen mit der Zeit einen gangbaren Weg finden werden. Das Wichtigste ist und bleibt, dass wir alle gesund sind! Unser "altes Leben" wird irgendwann wiederkommen, umso schneller, je disziplinierter wir in den nächsten Tagen und Wochen sind. Dann wird sich, da bin ich gewiss, auch einiges ändern in unserer Gesellschaft, zum Guten hoffe ich. Zumindest rücken wichtige Fragen und Dinge gerade wieder ins Bewusstsein und es wäre erstaunlich, wenn dies nicht zu guten Ergebnissen für sozio-ökonomische und ökologische Grundsatzentscheidungen und für unser tägliches Miteinander führen würde.

Mit diesen Worten möchte ich Sie, liebe Eltern, ins Wochenende entlassen, auf das wir uns mit Sicherheit nicht so freuen wie sonst, aber das vielleicht Raum gibt, sich zu sortieren, innerhalb der Familie zu sprechen und den Kindern Ängste und Befürchtungen zu nehmen. Seien Sie gewiss, wir werden gemeinsam zu guten und vernünftigen Lösungen finden, auch was die Schulleistungen und deren Beurteilung in diesem Halbjahr angeht!

Bleiben Sie in diesen turbulenten Zeiten vor allem gesund und, wenn möglich, irgendwie gelassen!

Herzliche Grüße, Ihre Karin Hofmann

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